Kaffee wächst nicht schon immer in Brasilien! 1727 brachten die Portugiesen, die die Region damals kolonisierten, die ersten Kaffeepflanzen aus Französisch-Guayana ins Land. Mit den Jahren breitete sich der Kaffeeanbau über das ganze Land aus. 1920 stammten 80 % der weltweiten Kaffeeproduktion aus Brasilien. Bis heute ist das Land der grösste Kaffeeproduzent der Welt. Woher kommt diese Vormachtstellung? Und warum ist Kaffee aus Brasilien so beliebt? Ein Streifzug durch die brasilianischen Anbaugebiete.
Kaffeeproduktion in Brasilien
Ein paar Zahlen:
- Weltweit grösster Kaffeeproduzent.
- 32 % des Weltmarkts.
- 2,7 Millionen Tonnen pro Jahr.
- 300'000 Farmen, die Kaffee anbauen.
Für diese Mengen sorgen zahlreiche Landwirtschaftsbetriebe, die sich ganz dem Kaffee verschrieben haben: die Fazendas. Mit modernen Maschinen und viel Technik erzielen sie hohe, industrielle Erträge. Andere Betriebe setzen dagegen bewusst auf handwerklichen, biologischen oder sogar biodynamischen Anbau. Das passt zur Entwicklung des Spezialitätenkaffees, bei dem Rückverfolgbarkeit und Qualität im Mittelpunkt stehen.
Angebaut wird Kaffee vor allem im Südosten des Landes:
- São Paulo;
- Cerrado;
- Sul de Minas;
- Minas Gerais;
- Espírito Santo;
- Bahia (weiter nördlich).
Das Klima ist dort ideal für Kaffee. Ausserdem erlaubt das sanft hügelige Gelände die maschinelle Ernte (Stripping). Geerntet wird ein- bis zweimal im Jahr, zwischen Mai und August.
Nach der Ernte werden die Früchte des Kaffeestrauchs, die sogenannten Kirschen, getrocknet. Traditionell geschieht das an der Luft: Die Kirschen werden auf dem Boden ausgebreitet oder auf erhöhten Trockenbetten ausgelegt. Diese Methode passt gut zum brasilianischen Klima mit seiner ausgeprägten Trockenzeit. Daneben kommen auch die nasse und die halbnasse Aufbereitung zum Einsatz, um die Bohnen aus der Frucht zu lösen.
Diese Vielfalt an Anbau- und Aufbereitungsmethoden erklärt die enorme Bandbreite an Aromen, die man in brasilianischem Kaffee findet.
Brasilianische Kaffeesorten: eine breite Aromapalette
Kaffees aus Brasilien werden für ihre milde Säure und ihre nussigen Noten geschätzt. Brasilianischer Arabica ist weich und vollmundig und zeigt oft Aromen von Vanille und Haselnuss. Deshalb dient er häufig als Basis für Kaffeemischungen. Unsere Espressomischung «04PM» setzt dagegen auf Kaffees aus Peru und Uganda.
Arabica macht 70 % der Produktion aus, Robusta die übrigen 30 %. Die wichtigsten Varietäten:
- Typica: die älteste Arabica-Varietät, bekannt für ihre aromatische Komplexität.
- Mundo Novo: in den 1940er-Jahren in Brasilien entdeckt. Im Heimatland sehr beliebt, wird aber manchmal für ihre geringe Süsse kritisiert.
- Icatu: eine Kreuzung aus Arabica und Robusta.
- Bourbon: geschätzt für seine Feinheit und Leichtigkeit.
- Caturra: benannt nach dem Ort in Brasilien, an dem sie entdeckt wurde. Caturra zeigt ähnliche Aromen wie Bourbon.
Die Anbauhöhe prägt den Geschmack entscheidend: Je höher der Kaffee wächst, desto ausgeprägter ist die Säure und desto komplexer sind die Aromen. Auf 1500 bis 2000 Metern wird die Tasse würzig und fruchtig.
Anerkennung für brasilianischen Kaffee: der Cup of Excellence
Der Cup of Excellence wurde 1999 in Brasilien ins Leben gerufen, um die Qualität brasilianischer Kaffees bekannt zu machen und Käufer anzuziehen. Der Wettbewerb zeichnet die besten Produzenten des Landes aus. Die prämierten Kaffees werden anschliessend in kleinen Mengen online versteigert.
Inzwischen gibt es den Wettbewerb auch in anderen Ländern, vor allem in Afrika. Er hat dem Spezialitätenkaffee in Brasilien und weltweit zu mehr Sichtbarkeit verholfen und steht für mehr Transparenz und Nachhaltigkeit. Für Kaffeetrinker ist das Label «Cup of Excellence» ein Versprechen für herausragende Qualität, für die Farmer bedeutet es eine fairere Bezahlung.
Brasilianischer Kaffee muss niemandem mehr etwas beweisen. Dank seiner Landschaften und seiner botanischen Vielfalt bietet das Land Kaffees, die fast jeden Gaumen überzeugen. Lange vor allem als Basis für Mischungen genutzt, zeigt brasilianischer Kaffee heute selbstbewusst seinen Charakter. Der Spezialitätenkaffee, unterstützt von der Brazil Specialty Coffee Association (BSCA), gewinnt an Bedeutung und würdigt die Arbeit der Produzenten.