Kaffee aus Kolumbien | Geschichte, Anbau und Sorten

Le Café en Colombie | Histoire, Production et Variétés

Kolumbien und Kaffee: Das sind mehr als 300 Jahre gemeinsame Geschichte. Im 18. Jahrhundert brachten Jesuiten den Kaffeestrauch ins Land, wo er seither fest verwurzelt ist. Schon 1835 begann der Export. Heute ist Kolumbien der drittgrösste Kaffeeproduzent der Welt. Wie wird Kaffee in Kolumbien angebaut? Und warum gilt er als einer der besten Kaffees der Welt? Ein Blick auf den Anbau des schwarzen Goldes auf kolumbianischem Boden.


Kaffee entlang der Anden

Kaffee in Kolumbien, das bedeutet:

  • 8,8 % des Weltmarkts;
  • Platz 3 unter den Produktionsländern;
  • 750'000 Tonnen Kaffee pro Jahr;
  • 500'000 Kaffeefarmen.

Angebaut wird im Westen des Landes, entlang der Anden: von Antioquia im Norden bis Nariño im Süden. Diese Region, bekannt als Eje Cafetero oder Kaffeedreieck, wurde 2011 als «Kaffeekulturlandschaft Kolumbiens» ins UNESCO-Welterbe aufgenommen. Warum? Wegen jahrzehntelanger Traditionen und der Anpassung an eine schwierige Umgebung, ganz im Dienst des Kaffeeanbaus. Mehr als ein Beruf: eine ganz eigene Lebensweise.

Hier finden Kaffeepflanzen ideale Bedingungen:

  • Eine Höhe zwischen 1200 und 1800 Metern.
  • Temperaturen zwischen 17 und 23 Grad.
  • Tropisches Klima und hohe Luftfeuchtigkeit.

Dank dieser Traumbedingungen und der vielen Mikroklimata ist Kolumbien das einzige Land, in dem das ganze Jahr über Kaffee geerntet werden kann! Anders als die riesigen brasilianischen Farmen sind die kolumbianischen Betriebe klein. Sie werden traditionell von Generation zu Generation weitergegeben.

Doch Kaffeeanbau in den Bergen ist kein Zuckerschlecken! Die steilen Hänge mit mehr als 25 % Gefälle machen den Cafeteros, den Kaffeebauern, das Leben schwer. Maschinen lassen sich hier kaum einsetzen. Die Früchte werden von Hand gepflückt, eine nach der anderen. Danach werden sie maschinell entpulpt und nass aufbereitet. Rechne mit 12 bis 36 Stunden Fermentation und bis zu 10 Tagen Trocknung. Das Ergebnis ist sogenannter gewaschener Kaffee, bekannt für seine ausgeprägtere Säure.


Kaffee aus Kolumbien: die Arabica-Varietäten

Kolumbianischer Kaffee ist für seine Ausgewogenheit bekannt: moderate Säure, Körper und Süsse. Angebaut wird ausschliesslich Arabica, kein Robusta.

Zu den beliebtesten Varietäten gehören:

  • Bourbon: In Kolumbien gibt es gelben, roten und orangen Bourbon. Geschätzt wird er für seine Feinheit und Leichtigkeit.
  • Caturra: Dieser in der brasilianischen Stadt Caturra entdeckte Arabica ist auch in Kolumbien sehr gefragt.
  • Geisha: Ursprünglich aus Äthiopien, kam diese Varietät über Costa Rica und Panama nach Kolumbien. Sie ist ein Aushängeschild des Spezialitätenkaffees.

Das nationale Kaffeeforschungszentrum Cenicafé hat neue Varietäten im Labor mitentwickelt. Das Ziel: Pflanzen, die widerstandsfähiger gegen Krankheiten wie den Kaffeerost sind und geschmacklich mehr bieten. Dazu gehören Castillo, Tabi und Colombia.

💡 Schon gewusst? Kolumbianer trinken keinen Kaffee, sondern Tinto! Er wird aus Pasillas zubereitet, Bohnen minderer Qualität, die nicht in den Export gehen. Tinto trinkt man sehr süss und gestreckt aus Plastikbechern. Weit entfernt von der traditionellen Kaffeezeremonie in Äthiopien!


Das Label Café de Colombia und die Anerkennung kolumbianischer Bohnen

Kolumbianischer Kaffee wird weltweit für seine Qualität geschätzt. Die FNC, Federación Nacional de Cafeteros de Colombia, wurde 1927 gegründet, um den Konsum kolumbianischen Kaffees zu fördern. Die bis heute aktive Organisation setzt sich für die Anerkennung der Produzenten und eine faire Entlöhnung ein. Ausserdem finanziert sie Forschung, um die Erträge der Plantagen zu steigern.

1984 schuf die FNC das Label «Café de Colombia». Darauf zu sehen: der sympathische Bauer mit Hut und seinem treuen Maultier. Die Figur heisst Juan Valdez und wurde von der US-Agentur Doyle Dane Bernbach erfunden. Sie steht für die Werte der kolumbianischen Cafeteros: harte Arbeit, Authentizität und Einsatz für Familie und Gemeinschaft.

Um das Logo auf ihren Produkten verwenden zu dürfen, muss eine Rösterei mindestens eine Marke mit 100 % kolumbianischem Kaffee von ausgezeichneter Qualität rösten.

💡 Gut zu wissen: Kolumbien erhielt 2007 als erstes nichteuropäisches Land eine geschützte geografische Angabe (GGA) für sein Label «Café de Colombia». 2013 wurde es zudem die erste ausländische GGA, die in der Schweiz eingetragen wurde.


Kaffee aus Kolumbien profitiert von idealen, wenn auch ungewöhnlichen Anbaubedingungen, die seine Qualität und seine besonderen Aromen erklären. Das Land kennt dieses enorme Potenzial und investiert immer mehr, damit der Charakter seines Kaffees und der Einsatz seiner Produzenten weltweit Anerkennung finden.

Mehr Artikel